Brilon

1. Station: Altstadtrundgang

Wer durch die Altstadt Brilons spaziert, wandelt durch viele Jahrhunderte. Begegnet stumme Zeitzeugen, die, wenn sie erzählen könnten, bewegende Romane füllen würden. 973 erstmals erwähnt, mausert sich Brilon zu einer der bedeutendsten Hansestädte Westfalens und zu einer der flächenmäßig größten Städte Deutschlands.

Wir laden Sie zu einem Bummel durch die sehenswerte Altstadt der historischen Hansestadt ein. Anhand von Stadtplan, Luftbildern und nicht zuletzt aufgrund der Straßennamen ist der Verlauf der alten Briloner Stadtmauer noch gut zu erkennen. Da sich fast alle der Sehenswürdigkeiten innerhalb der alten Stadtmauer befinden, sind sie für den Besucher auf kurzen Wegen bequem zu erreichen.

Erleben Sie eine moderne, aktive Stadt in ihrem historischen Gewand und lassen Sie sich von dem harmonischen Miteinander des Gestern und Heute verzaubern.

Als Orientierungshilfe führt Sie der Altstadtrundgang zu den markanten Punkten der Stadt und gibt Ihnen darüber hinaus zu den einzelnen Sehenswürdigkeiten ausführliche Erläuterungen.

2.Station: Brunnen in Brilon

Sehenswert in Brilon sind die vielen Brunnen. Einige sind erst in den 90er Jahren angelegt worden, andere wiederum verfügen bereits über eine sehr lange Geschichte.

Auf dem Briloner Marktplatz steht der Petrusbrunnen, im Volksmund auch „Kump“ genannt, mit der Petrusfigur und den Wappen alteingesessener Briloner Familien. Der Petrusbrunnen ist traditionell Ausgangspunkt und auch Ziel der Briloner Schnadezüge und darüber hinaus der Mittelpunkt zahlreicher Feste. Spätestens seit dem Jahre 1360 war der „Kump“ Endpunkt der ersten Wasserleitung, die zu der damaligen Zeit für die wasserarme Stadt von elementarer Bedeutung war. Der Ursprung des Brunnens – vielleicht als gefasste Quelle - geht aber sicherlich noch viel weiter zurück.

Hinter dem Rathaus wurde vor einigen Jahren der Geschichtsbrunnen angelegt. Er zeigt Szenen aus den Briloner Schnadezügen und die Wappen der seit 1975 zu Brilon gehörenden Dörfer.

Zusammen mit dem Bau der Fußgängerzone schuf man Ende der achtziger Jahre auch den Europabrunnen. Er symbolisiert die Weltkugel in einer geöffneten Hand. Der Brunnen steht seit Errichtung des Kreisverkehrs im Kreisel an der Evangelischen Stadtkirche.

Nach dem Umzug des Europabrunnens wurde in der Fußgängerzone 2000 der Bürgerbrunnen eingeweiht. Daneben stehen die Wappen der Briloner Partnerstädte Hesdin (Frankreich), Heusden-Zolder (Belgien) und Thurso (Schottland).

Beim Amtshaus Thülen, in dem übrigens auch ein Teil der Briloner Stadtverwaltung untergebracht ist, steht der Pape-Brunnen, benannt nach dem bekannten Juristen Eduard Pape, dem Mitverfasser des Bürgerlichen Gesetzbuches.

Der Bauernbrunnen am Mistemarkt – die Brunnenfigur soll an die fleißige Bäuerin erinnern - ist für viele Besucher Brilons der schönste Brunnen.

Am Schultenhaus im Steinweg rauscht der Schnadebrunnen aus dem Jahr 1980. Unter einem mächtigen Findling sprudelt der Schnadequell hervor. Auf diesem Stein wurden 1993 zwei bronzene Zeitzeugen der Stadtgeschichte Stadtdirektor Heinrich Schieferecke (Stadtdirektor von 1948 bis 1957) und Stadtsekretär Johannes Martini als Rezessgruppe aufgestellt.

Mitten durch Petersborn verläuft die Wasserscheide von Rhein und Weser. Als Symbol für die Wasserscheide wurde in Petersborn der Wasserscheide-Brunnen errichtet.

3.Station: Kirchen in Brilon

Propsteikirche St. Petrus und Andreas

Die Briloner Pfarrkirche St. Petrus und Andreas wurde 1925 zur Propsteikirche erhoben. Sie liegt, vom Marktplatz gesehen, ein wenig erhöht hinter dem Rathaus. Der mächtige, weithin sichtbare Westturm der Hallenkirche gilt als Wahrzeichen Brilons. Der Kirchbau begann im Jahre 1220. Nach dem Bau um 1250 wurde der kleine Westturm durch den heutigen frühgotischen Turm ersetzt. Die 31 m hohe Barockhaube erhielt er wahrscheinlich 1665 während der Ausbauten des Glockenturms. Als bedeutender Kunstschatz gilt das kupfervergoldete Pankratius-Kreuz (um 1100). Zu den erhaltenen Malereien aus dem 14. Jahrhundert gehört ein bemerkenswertes Bildnis des hl. Christophorus im südlichen Querschiff. Kunstgeschichtlich interessant sind auch die Portale, deren Säulen scharfe Rillen aufweisen: seltene Spuren des archaischen Säbelwetzens. Turmbesteigungen von Mai bis Oktober möglich.

Nikolaikirche

Die Nikolaikirche am Steinweg wurde im Jahre 1782 von den Franziskaner-Minoriten nach zehnjähriger Bauzeit erstellt. Sie steht wenige Meter westlich des Platzes, an dem schon seit dem 13. Jahrhundert eine Kapelle gleichen Namens als Kirche der Briloner Kaufleute gestanden hat. Die Nikolaikirche ist wohl das letzte schöne Bauwerk im Spätbarock- und Rokokostil in Westfalen. Das Mauerwerk besteht aus verputzten Bruchsteinen, die architektonische Gliederung aus Sandstein.

Besonders schön sind die verschiedenen Altäre sowie die Figuren. Dabei bildet der hochaufragende Hauptaltar in seiner harmonischen Verbindung von Architektur, plastischem Schmuck und Malerei, in die auch die beiden seitlichen Rokokotüren einbezogen werden, den Mittelpunkt.

In der Nikolaikirche finden in den Wintermonaten regelmäßig Kerzenkonzerte mit vielen bekannten nationalen und internationalen Künstlern statt.

Evangelische Stadtkirche

Bau und Funktion der evangelischen Stadtkirche sind eng mit Entstehen und Wachsen der evangelischen Gemeinde in Brilon verbunden. Da die Stadt bis Anfang des 19. Jahrhunderts zum Herzogtum Westfalen gehörte und damit auch politisch dem Erzbischof von Köln unterstand, konnten sich bis zu diesem Zeitpunkt hier keine evangelischen Christen ansiedeln.

1856 wurde die Kirche im Norden der Stadt vor der ehemaligen Kreuziger Mauer errichtet. Der Innenraum mit seiner hohen flachen Holzdecke, gegliedert und gehalten durch mehrere Quer- und Verbindungsbalken, ist wiederholt um- bzw. neugestaltet worden.

4. Station: Museum Haus Hövener

Das Gebäude ist nicht nur Ausstellungsraum, sondern selbst ein Exponat. Das 1803 erbaute klassizistische Gebäude direkt am Briloner Marktplatz bietet die perfekte Kulisse für ein Museum.

Als ehemaliges Wohnhaus einer bedeutenden Briloner Unternehmerfamilie aus der Montanindustrie lädt es Groß und Klein auf eine Reise durch die Briloner Wirtschafts-, Sozial- und Kulturgeschichte ein.

Wilhelmine Hövener, letzte Besitzerin und Gründerin der Stiftung "Briloner Eisenberg und Gewerke - Stadtmuseum Brilon", hat zu ihren Lebzeiten am Haus und der Einrichtung kaum etwas verändert, sodass das Haus weitgehend im Zustand von 1910 erhalten blieb.

Die Besitzer- und Stifterfamilie, die über vier Jahrhunderte im Bergbau und Eisenhüttenwesen tätig war, hinterließ ein umfangreiches Inventar bestehend aus Mobiliar, Ahnengalerie, Wirtschaftsarchiv und Fachbibliothek. Der Besucher erhält dadurch die einzigartige Möglichkeit, in die Geschichte einer Montanregion einzutauchen.

Zudem sind im historischen Gewölbekeller die 1978 in einem Steinbruch bei Brilon-Nehden entdeckten Originalknochen des Dinosauriers Iguandon sowie eine Skelettrekonstruktion und ein Dinosauriermodell ausgestellt.

Ein weiteres Highlight ist das Interaktive Stadtmodell, das dem Besucher Einblicke in das Briloner Stadtleben vergangenen Jahrhunderte ermöglicht.

Die Ausstellungsinhalte werden dem Besucher mit modernster Museumstechnik zugänglich gemacht.

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5. Station: Rathaus

Das Rathaus, mit seiner Front dem Marktplatz zugewandt, ist um 1250 entstanden und gehört somit zu den ältesten Rathäusern Deutschlands. Während der Blütezeit der Hanse, diente es als Gildehaus (Verkaufsstätte), in dem heimische Handwerker, Krämer und auch fremde Kaufleute ihre Waren anboten.

Einem Umbau, ca. 1755, nach Plänen des waldeckschen Baumeisters Johann Matthäus Kitz verdankt das Briloner Rathaus seine heutige stilvolle Barock-Fassade. Er behielt in seinem Entwurf die beiden mittelalterlichen Spitzbögen bei und verband so eindrucksvoll gotische und barocke Elemente.

Im Giebel und im Sockel des Bildstocks aus dem Jahre 1688 zu Füßen der Fassade finden sich zwei ähnliche Wappen, es sind die mittelalterlichen Siegel der Stadt. Inmitten der Frontseite steht das Standbild des Schutzpatrons der Stadt, Sankt Petrus.

Im Sockel unter dem Standbild ist folgende Inschrift eingemeißelt:
„eXsVrglt theMIDos reaparata VetVstlor aVLa aVXILIo perstet, Petre, saCrata tVo“.

(Es erhebt sich die erneuerte recht alte Gerichtshalle. Mit Deiner Hilfe möge sie feststehen, Petrus, da Sie Dir geweiht ist.)

In diesem lateinischen Text sind alle Schriftzeichen, die zugleich römische Zahlzeichen sind, herausgehoben. Die Summe der römischen Zahlelemente ergibt die Jahreszahl 1755. Dieses Spiel mit Wort und Zahl nennt man „Chronogramm“.

Oberhalb der beiden bogenförmigen Eingänge sind vier Geweihe kapitaler Hirsche befestigt. Sie symbolisieren die großen Jagdreviere der waldreichen Stadt und verweisen auf das Recht der „hohen Jagd“ der Stadt Brilon, das nochmals vom Landtag 1619 bestätigt wurde.

Das Glocken- und Figurenspiel in den oberen Fenstern des Rathauses zeigt täglich um 11.00, 15.00 und 17.00 Uhr Szenen aus der Tradition des Briloner Schnadezuges.

Im linken oberen Fenster wird auf einer herausfahrenden Bühne das "Stutzäsen" demonstriert. Eine Person, die zum ersten Mal den Schnadezug miterlebt, wird von 4 Männern an Händen und Füßen getragen und mit dem Gesäß mehrmals gegen den Grenzstein gestoßen, damit sie weder Grenzstein noch Schnade vergisst. Daraufhin werden Plakette und Urkunde überreicht.

Im rechten Fenster zeigt die Darstellung die Übergabe der Urkunde an den Grenzen der Nachbargemeinden und das Verlesen des Rezesses (Grenzvertrag).

Dazu erklingt das zwölfstimmige Glockenspiel mit dem Lied "Es zieht hinaus der Schnadechor" nach der Melodie "Jägerchor aus Freischütz" von C.M. von Weber.

6. Station: Stadttor/Derkerer Tor

Der Gründer der Stadt, der Erzbischof Engelbert von Köln umgab Brilon mit einer wehrhaften Ringmauer, die ihm als Operationsbasis gegen Paderborn und Waldeck diente. Der Bering bestand im Mittelalter aus einem breiten Graben zwischen doppelten Wällen, der Stadtmauer, die mit Wehrtürmen ausgerüstet war und vier Stadttore besaß. Die planmäßige ovale Stadtanlage, die auf einer ca. 450 m hohen Massenkalkhochfläche liegt, wurde durch die sich am Markt kreuzenden Hauptstraßen in vier Stadtteile unterteilt: das Ledriker-, das Keffliker-, Krusiker- und Derkere Quartal.